Fachartikel
Warum sich die pädagogische Rolle grundlegend wandelt
Lehren heisst heute mehr denn je: Lernen ermöglichen und Entwicklung unterstützen. In einer Bildungswelt, in der Präsenz, Online, asynchrones Selbststudium, flexible Lernformate und KI-gestützte Lernumgebungen ineinandergreifen, geraten damit auch traditionelle Rollenbilder von Lehrpersonen an ihre Grenzen. Fachlich exzellent zu sein bleibt unverzichtbar – reicht aber nicht mehr aus.
Die veränderten neuen Rollenbilder und didaktischen Anpassungen betreffen unterschiedliche Bildungsangebote, hier auf den Weiterbildungsbereich der Kalaidos Fachhochschule (KFH) bezogen sowohl die öffentlich zugänglichen wie auch die firmenspezifischen Angebote. Insofern ist der gesamte Bereich Weiterbildung & Dienstleistungen gefordert.
Von der „Wissensvermittlerin“ zur Architektin von Lernräumen
Omnimodale Bildung verändert die Rolle einer Lehrperson grundlegend:
- Vom Inputgeben zur Lernprozessgestaltung: Lehrpersonen werden immer mehr zu Architekt:innen von Lernprozessen bzw. sind Teil davon. Sie strukturieren gemeinsam mit der Bildungsinstitution Lernpfade, verknüpfen Präsenz- und Onlinephasen, integrieren wo sinnvoll unterstützende (KI-)Tools und schaffen Gelegenheiten für kollaboratives und individuelles Lernen.
- Vom Frontalunterricht zur Moderation komplexer Lernsettings: In flexiblen Lernszenarien etwa sind Lernende je nach Präferenz vor Ort, gleichzeitig online präsent oder erarbeiten sich die Inhalte zu passender Zeit asynchron. Dies erfordert die Fähigkeit, Interaktionen über mehrere Kanäle hinweg zu moderieren, Beteiligung sicherzustellen und Lernaktivitäten flexibel zu steuern.
- Von Fachexpertise zu Lernbegleitung und Coach: Lernende bringen heute vielfältige Vorerfahrungen, digitale Kompetenzen und individuelle Lernwege mit. Lehrpersonen unterstützen zunehmend als Coach, moderieren eigenständige Lernaktivitäten, geben Feedback, helfen beim Transfer in die Praxis und fördern Reflexion – auch über digitale Lernräume hinweg.
Diese Verschiebung bedeutet keine Abwertung fachlicher Expertise. Im Gegenteil: Sie bildet das Fundament, auf dem neue Rollenkompetenzen wirksam werden. Entscheidend ist die Fähigkeit, Fachwissen in vielfältigen Settings lernwirksam einzusetzen.
Zentrale Rollenkompetenzen für wirksames Lernen in omnimodalen Settings
Es zeichnen sich mehrere Kompetenzfelder ab, die für die Zukunft der Lehre zentral sind:
- Didaktische Gestaltung in variablen Formaten
Lernziele müssen so formuliert und in Lernaktivitäten übersetzt werden, dass sie über Präsenz-, Online-, flexible und KI-gestützte Settings hinweg effektiv, anschlussfähig und umsetzbar sind. Es gilt modulare und flexible Lernpfade zu gestalten, um den Ansprüchen einer heterogenen Zielgruppe gerecht zu werden. - Rollen- und Beziehungsarbeit in digitalen und hybriden Räumen
Auch online geht es um die Herstellung von Aktivität und Verbindlichkeit, z.B. durch klare Kommunikationsstrukturen, Check-ins, Teilnehmenden-Aktivierung und Feedbackschleifen. Lernende sind zu aktivieren und zu beteiligen, unabhängig davon, ob sie im Raum sitzen oder online zugeschaltet sind. Kooperation und Community-Building müssen über verschiedene Kanäle unterstützt werden. - Souveräner Umgang mit Technologie und KI
Digitale Tools und KI werden nicht als Selbstzweck, sondern als sinnvolle didaktische Werkzeuge eingesetzt. Dabei sind Chancen und Grenzen von KI u.a. in Prüfungssettings, beim Feedback geben oder bei der individuellen Begleitung reflektiert einzuschätzen. Lehrende sollen Lernende auch durch einen kompetenten, verantwortungsvollen Umgang mit KI begleiten wo dies sinnvoll ist. - Reflexive Professionalität und Veränderungsfähigkeit
Regelmässig sollte die eigene pädagogische Rolle hinterfragt und weiterentwickelt werden, was auch zu Unsicherheiten beim Umgang mit Neuem führen kann. Ein kollegialer Austausch über die gemachten Erfahrungen hilft. Insofern wird Qualität im eigenen Lehren als fortlaufender Entwicklungsprozess verstanden, aber nicht (mehr) als statischer Zustand.
Wie die Kalaidos Academy diese Entwicklung aufgreift
Die Corporate Academy der KFH wurde mit der Entwicklung und der Umsetzung unterschiedlicher Module zu 5 strategisch relevanten Kompetenzen für die Kalaidos Bildungsgruppe beauftragt, die ab 2026 unter dem Namen «Kalaidos Academy» angeboten werden. Mit der ab dem 3. Quartal 2026 startenden Modulreihe zur «Pädagogischen Rollenkompetenz» schafft die Bildungsgruppe einen strukturierten Rahmen für die Entwicklung des pädagogischen Personals und von unterrichtsnahen Funktionen. Diese Modul-Angebote der Kalaidos Academy verstehen sich dabei als:
- Plattform für gemeinsame Professionalisierung
Lehrpersonen und Dozierende aus unterschiedlichen Institutionen der Kalaidos Bildungsgruppe bringen ihre Erfahrungen ein, lernen von- und miteinander und entwickeln ein gemeinsames Verständnis guter Lehre in omnimodalen Kontexten. - Brücke zwischen Strategie und Alltag
Die angesprochenen Kompetenzfelder greifen Themen auf, die sich auf unterschiedliche Art auch in den Strategien der verschiedenen Unternehmen der Kalaidos Bildungsgruppe wiederfinden. So bleibt Rollenentwicklung nicht abstrakt, sondern anschlussfähig an konkrete Herausforderungen und verankert im alltäglichen Handeln. - Labor für neue didaktische Modelle
In den Modulen wird nicht nur über neue Lehr-/Lernformen gesprochen, sie sollen auch erlebbar gemacht werden: Flexible Lernsettings und digitale Kollaborationsformen sind selbst Teil der Lernumgebung. Die Teilnehmenden erfahren, wie es sich anfühlt, in diesen Settings zu lernen und können daraus Konsequenzen für ihr eigenes Lehrangebot ableiten.
Was bedeutet das konkret für Mitarbeitende, Lehrpersonen und Dozierende der Kalaidos Bildungsgruppe? Es geht um die bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle. Die Frage „Wer bin ich als Lehrperson in einer omnimodalen Welt?“ wird zum zentralen Reflexionspunkt. Dabei ist die wachsende Komplexität von Lehrsettings eine Herausforderung – sie darf aber nicht zur individuellen Überforderung werden. Mit den neuen Modulen der Kalaidos Academy und weiteren begleitenden Angeboten (wie bei KFH z.B. Dozierendenkonvent und KFH STEPS) schaffen wir strukturierte, unterstützende Lernräume auch für die Weiterentwicklung von Lehrenden.
Omnimodale Bildung, flexible Modelle und KI sind nicht vorübergehende Trends, sondern Ausdruck eines grundlegenden Wandels in der Bildungslandschaft. Die Kalaidos Bildungsgruppe nimmt diesen Wandel bewusst an und übernimmt Verantwortung dafür, Mitarbeitende wie auch Lehrpersonen auf diesem Weg zu begleiten.